Private Rentenversicherung durchrechnen: Kosten, Garantien, Steuern
Wer nach einem Rechner für die private Rentenversicherung sucht, landet fast immer auf den Seiten von Versicherern und Vermittlern. Diese Rechner sind Verkaufswerkzeuge: Sie zeigen dir eine mögliche Rente, aber selten die Zahlen, die über gut oder schlecht entscheiden. Dieser Leitfaden dreht das um. Du lernst die drei Kennzahlen, die jedes seriöse Angebot ausweisen muss, rechnest an einem Beispiel nach, wie stark Kosten dein Endkapital drücken, und siehst, wo die Steuer der Police tatsächlich hilft. Die Rechnungen kannst du selbst im Zinsrechner nachvollziehen, mit deinen eigenen Beträgen.
Tool Zinsrechner öffnenBerechne, wie Erspartes oder ein ETF-Sparplan mit Zinseszins wächst. Lege Startkapital, monatliche Sparrate, Rendite und Laufzeit fest und sieh das Kapital Jahr für Jahr wachsen.Was eine private Rentenversicherung ist
Die private Rentenversicherung gehört zur sogenannten dritten Schicht der Altersvorsorge. Anders als die gesetzliche Rente (erste Schicht) und anders als Rürup- oder Riester-Verträge (staatlich gefördert, dafür mit strengen Regeln bei Auszahlung und Verfügbarkeit) ist sie ein rein privater Vertrag ohne Zulagen und ohne Abzugsmöglichkeit in der Ansparphase. Du zahlst Beiträge aus versteuertem Einkommen, der Versicherer legt den Sparanteil an, und am Ende wählst du zwischen einer lebenslangen Monatsrente und einer einmaligen Kapitalauszahlung. Der Reiz liegt in zwei Punkten: der Absicherung gegen ein sehr langes Leben und einer vergleichsweise milden Besteuerung der Auszahlung. Der Haken liegt in den Kosten.
Die drei Zahlen, die jeder Rechner zeigen sollte
Egal welches Angebot vor dir liegt: Ohne diese drei Kennzahlen kannst du es nicht bewerten. Steht eine davon nicht im Angebot oder im Basisinformationsblatt, frag nach, bevor du weiterliest.
1. Garantiezins (Höchstrechnungszins)
Der Höchstrechnungszins ist der maximale Zins, den Versicherer für Neuverträge garantieren dürfen. Zum 1. Januar 2025 wurde er von 0,25 Prozent auf 1,0 Prozent angehoben, die erste Erhöhung seit den 1990er Jahren. In der Praxis kalkulieren die meisten Anbieter ihren Garantiezins genau auf dieser Obergrenze. Wichtig ist, worauf sich der Zins bezieht: nicht auf deinen vollen Beitrag, sondern nur auf den Sparanteil, also das, was nach Abzug von Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten übrig bleibt. Ein Garantiezins von 1,0 Prozent auf 85 Prozent deines Beitrags ist effektiv deutlich weniger als 1,0 Prozent auf das, was du einzahlst. Manche Tarife garantieren zudem nur einen Teil der Beiträge zum Rentenbeginn, etwa 80 oder 90 Prozent.
2. Rentenfaktor
Der Rentenfaktor sagt, wie viel Monatsrente du pro 10.000 Euro angespartem Kapital bekommst. Ein Rentenfaktor von 25 bedeutet: 100.000 Euro Kapital ergeben 250 Euro Rente im Monat. Entscheidend ist der Unterschied zwischen dem aktuellen und dem garantierten Rentenfaktor. Der aktuelle Faktor ist eine unverbindliche Hochrechnung nach heutigen Annahmen. Verlassen kannst du dich nur auf den garantierten Faktor, und der liegt oft spürbar darunter. Ein niedriger garantierter Rentenfaktor heißt: Selbst wenn dein Vertrag ordentlich Kapital aufbaut, kann die daraus berechnete Rente enttäuschend klein ausfallen, und du müsstest sehr alt werden, bis die Rentenzahlungen dein eingezahltes Kapital übersteigen.
3. Effektivkosten
Die Effektivkosten fassen alle Kosten des Vertrags in einer Zahl zusammen: Sie geben an, um wie viele Prozentpunkte die jährliche Rendite durch Kosten sinkt. Dahinter stecken zwei Blöcke. Erstens die Abschluss- und Vertriebskosten: Bei der üblichen Zillmerung werden sie auf die ersten fünf Vertragsjahre verteilt und sind gesetzlich auf 2,5 Prozent der gesamten Beitragssumme gedeckelt (§ 4 Deckungsrückstellungsverordnung). Bei 200 Euro Monatsbeitrag über 30 Jahre sind das bis zu 1.800 Euro, die in den ersten Jahren vorrangig an Vertrieb und Versicherer fließen statt in deinen Sparanteil. Zweitens die laufenden Verwaltungskosten über die gesamte Laufzeit, bei fondsgebundenen Tarifen zusätzlich die Fondskosten. Gute Nettotarife kommen auf Effektivkosten um 0,5 Prozent, teure Provisionstarife auf 2 Prozent und mehr.
Rechenbeispiel: Was Kosten aus 30 Jahren Sparen machen
Wie stark die Effektivkosten wirken, zeigt ein durchgerechnetes Beispiel: 200 Euro Monatsbeitrag, 30 Jahre Laufzeit, angenommene Marktrendite 5 Prozent pro Jahr vor Kosten. Die Effektivkosten ziehst du direkt von der Rendite ab, genau so sind sie definiert. Bei 1,5 Prozent Effektivkosten rechnest du also mit 3,5 Prozent, bei 2,5 Prozent mit nur noch 2,5 Prozent Nettorendite. Eingezahlt sind in allen Fällen 72.000 Euro.
| Effektivkosten | Nettorendite | Endkapital nach 30 Jahren (gerundet) |
|---|---|---|
| 0,0 % (nur zum Vergleich) | 5,0 % | 166.500 € |
| 0,5 % | 4,5 % | 151.900 € |
| 1,5 % | 3,5 % | 127.100 € |
| 2,5 % | 2,5 % | 107.100 € |
Zwischen einem günstigen Vertrag mit 0,5 Prozent und einem teuren mit 2,5 Prozent Effektivkosten liegen in diesem Szenario rund 44.800 Euro, fast zwei Drittel deiner gesamten Einzahlungen. Die 5 Prozent Marktrendite sind dabei eine Annahme zur Veranschaulichung, keine Garantie. Du kannst die Tabelle selbst nachbauen: Gib im Zinsrechner 200 Euro Monatsrate, 30 Jahre Laufzeit und nacheinander 4,5, 3,5 und 2,5 Prozent Zins ein. Genau diese Gegenrechnung solltest du mit jedem echten Angebot machen: Effektivkosten aus dem Basisinformationsblatt ablesen, von der erwarteten Rendite abziehen, Endkapital vergleichen.
Steuern bei der Auszahlung: die eigentliche Stärke
Der handfeste Vorteil der privaten Rentenversicherung liegt nicht in der Ansparphase, sondern bei der Auszahlung. Wählst du die lebenslange Monatsrente, greift die Ertragsanteilsbesteuerung nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe bb EStG: Nicht die volle Rente ist steuerpflichtig, sondern nur ein gesetzlich festgelegter Prozentsatz, der vom Alter bei Rentenbeginn abhängt. Bei Rentenbeginn mit 67 sind das 17 Prozent, mit 65 sind es 18 Prozent, mit 63 sind es 20 Prozent. Von einer Monatsrente von 500 Euro bei Start mit 67 versteuerst du also nur 85 Euro mit deinem persönlichen Steuersatz, der Rest bleibt steuerfrei, und das lebenslang.
Bei der einmaligen Kapitalauszahlung gilt § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG: Steuerpflichtig ist der Unterschiedsbetrag zwischen Auszahlung und eingezahlten Beiträgen, also dein Gewinn. Lief der Vertrag mindestens 12 Jahre und bist du bei Auszahlung mindestens 62 (bei Verträgen aus den Jahren 2005 bis 2011: 60), wird nur die Hälfte dieses Gewinns mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert. Verfehlst du eine der beiden Bedingungen, etwa bei vorzeitiger Kündigung, ist der volle Unterschiedsbetrag steuerpflichtig, und der Vorteil ist dahin.
Zum Vergleich: Bei einem ETF-Sparplan im Depot zahlst du auf realisierte Gewinne Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag. Bei Aktienfonds mit mindestens 51 Prozent Aktienquote bleiben durch die Teilfreistellung 30 Prozent des Gewinns steuerfrei, effektiv also rund 18,5 Prozent Steuer auf den Gewinn. Die Versicherung kann steuerlich vorn liegen, vor allem bei der lebenslangen Rente. Ob der Vorteil ankommt, entscheidet sich aber an den Kosten: Effektivkosten von 2 Prozent fressen über 30 Jahre deutlich mehr, als die Steuerersparnis je einbringen kann.
Wann die Police gewinnt und wann der ETF-Sparplan
Die private Rentenversicherung spielt ihre Stärken aus, wenn drei Dinge zusammenkommen: ein sehr langer Horizont von 25 Jahren und mehr, der Wunsch nach einer garantierten lebenslangen Zahlung als Absicherung gegen Langlebigkeit, und ein Tarif mit niedrigen Effektivkosten, idealerweise ein Nettotarif ohne Provision. Wer diszipliniert bis zum Ende durchhält und die Verrentung wirklich will, bekommt ein Produkt, das kein Depot exakt nachbilden kann: Einkommen bis zum Lebensende, egal wie alt du wirst.
In vielen anderen Fällen ist die Kombination aus gesetzlicher Rente und einem einfachen ETF-Sparplan die bessere Wahl: bei hohen Effektivkosten, wenn du dir die Kapitalauszahlung ohnehin offenhalten willst, oder wenn Flexibilität zählt, denn ein Sparplan lässt sich jederzeit pausieren oder auflösen, eine gekündigte Police realisiert dagegen oft Verluste aus den vorgezogenen Abschlusskosten. Auch die Verbraucherzentralen kommen zu dem Ergebnis, dass teure Policen für den reinen Vermögensaufbau meist nicht die erste Wahl sind. Wie stark der Zinseszins in einem schlanken Sparplan arbeitet, zeigt dir der Leitfaden zu Zinseszins und Sparplan. Wie groß deine Lücke überhaupt ist, klärst du vorab über die Artikel zur Rentenlücke und zur Berechnung der gesetzlichen Rente.
Checkliste: Diese Punkte vergleichst du vor der Unterschrift
Wenn du Angebote nebeneinanderlegst, prüfe sie systematisch anhand dieser Kriterien. Alle Werte stehen im Angebot oder im Basisinformationsblatt, das dir der Anbieter aushändigen muss.
| Kriterium | Worauf du achtest |
|---|---|
| Garantiezins | 1,0 % ist seit 2025 das Maximum. Entscheidend: Gilt er auf den Sparanteil nach Kosten, und wie viel Prozent der Beiträge sind zum Rentenbeginn garantiert? |
| Garantierter Rentenfaktor | Nur der garantierte Wert zählt, nicht der aktuelle. Je höher, desto besser, und möglichst ohne Herabsetzungsvorbehalt. |
| Effektivkosten | Unter 1 % ist gut, um 0,5 % sehr gut. Ab 2 % frisst der Vertrag einen Großteil der Rendite. |
| Flexibilität und Kündigung | Rückkaufswert in den ersten Jahren, Beitragspausen, Zuzahlungen. Zillmerung macht frühe Kündigung teuer. |
| Verrentung oder Kapitalwahlrecht | Kannst du bei Rentenbeginn frei zwischen Monatsrente, Teilauszahlung und voller Kapitalauszahlung wählen? |
Die steuerlichen Regeln kannst du direkt im Gesetz nachlesen: die Ertragsanteilstabelle in § 22 EStG. Eine unabhängige Einordnung des Produkts mit Blick auf Rentenfaktor und Kosten bietet die Verbraucherzentrale. Und bevor du irgendetwas unterschreibst: Rechne das Angebot mit seinen echten Effektivkosten einmal komplett durch und stelle es einem einfachen Sparplan gegenüber. Zehn Minuten Rechnen können hier fünfstellige Beträge wert sein.
Angebot mit eigenen Zahlen durchrechnenBerechne, wie Erspartes oder ein ETF-Sparplan mit Zinseszins wächst. Lege Startkapital, monatliche Sparrate, Rendite und Laufzeit fest und sieh das Kapital Jahr für Jahr wachsen.Verwandte Artikel
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