Rentenlücke berechnen: Wie viel fehlt dir im Alter?
Die meisten Menschen wissen ungefähr, was sie heute verdienen, aber kaum jemand kann sagen, wie viel Geld im Ruhestand tatsächlich monatlich aufs Konto kommt. Genau hier setzt die Rentenlücke an: Sie beschreibt die Differenz zwischen dem Einkommen, das du dir im Alter wünschst, und dem, was die gesetzliche Rente und vorhandene Ersparnisse wirklich liefern. Wer diese Lücke früh kennt, hat die besten Karten, sie zu schließen. In diesem Leitfaden lernst du, wie du deine persönliche Rentenlücke berechnen kannst, welche Rolle Rentenniveau, Inflation und Steuern spielen und wie ein konkretes Beispiel aussieht. Deine voraussichtliche Rente schätzt du dabei direkt im Rentenrechner ab.
Tool Rentenrechner öffnenBerechne deine gesetzliche Rente aus Gehalt und Beitragsjahren mit der offiziellen Rentenformel, inklusive früherem oder späterem Rentenbeginn sowie Kranken- und Pflegeversicherung.Warum die gesetzliche Rente selten zum Lebensstandard reicht
Die gesetzliche Rente ist nie dafür gedacht gewesen, dein volles Gehalt zu ersetzen. Wie viel sie leistet, lässt sich am sogenannten Rentenniveau ablesen, offiziell Sicherungsniveau vor Steuern genannt. Diese Kennzahl setzt die Standardrente eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren ins Verhältnis zum Durchschnittsverdienst. Mit dem zum 1. Januar 2026 in Kraft getretenen Rentenpaket ist die Haltelinie für das Rentenniveau bei 48 Prozent bis zur Rentenanpassung 2031 festgeschrieben.
48 Prozent klingt nach knapp der Hälfte, doch dieser Wert gilt für den rechnerischen Standardrentner, der 45 Jahre lang exakt durchschnittlich verdient und eingezahlt hat. Solche lückenlosen Erwerbsbiografien sind die Ausnahme. Wer studiert hat, in Teilzeit gearbeitet, Kinder erzogen oder phasenweise weniger verdient hat, landet oft deutlich darunter. Die nüchterne Konsequenz: Für die allermeisten ersetzt die gesetzliche Rente nur einen Teil des gewohnten Nettoeinkommens, und der Rest muss aus anderen Quellen kommen.
So schätzt du deine Rentenlücke ab
Die Grundformel ist erfreulich einfach. Du stellst dem Geld, das du im Alter brauchst, das gegenüber, was du an Rente erwarten kannst. Was übrig bleibt, ist deine Rentenlücke:
Für das gewünschte Einkommen hat sich eine Faustregel etabliert: Plane mit etwa 70 bis 80 Prozent deines letzten Nettoeinkommens. Im Ruhestand fallen einige Ausgaben weg, etwa Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, oft die Fahrt zur Arbeit und in vielen Fällen die Abzahlung des Eigenheims. Dafür können andere Kosten steigen, zum Beispiel für Gesundheit oder Pflege. Die 70 bis 80 Prozent sind deshalb ein Startwert, kein Naturgesetz. Wer sich im Alter mehr leisten möchte, sollte höher ansetzen.
- Letztes Nettoeinkommen bestimmen, also das, womit du heute deinen Lebensstil finanzierst.
- Davon 70 bis 80 Prozent als Wunscheinkommen für den Ruhestand ansetzen.
- Erwartete gesetzliche Rente schätzen, am besten netto nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung.
- Bereits vorhandene Vorsorge wie Betriebsrente oder private Rente hinzurechnen.
- Wunscheinkommen minus erwartete Nettorente ergibt die monatliche Rentenlücke.
Den schwierigsten Posten, deine voraussichtliche gesetzliche Rente, musst du nicht raten. Wie sich aus Beitragsjahren und Entgeltpunkten ein Rentenbetrag ergibt, erklärt der Beitrag Wie wird die Rente berechnet. Eine schnelle Schätzung für deinen Fall bekommst du im Rentenrechner.
Inflation und Steuern fressen an der Rente
Zwei Faktoren werden bei der Rechnung gern übersehen, und beide verkleinern das, was am Ende wirklich übrig bleibt. Der erste ist die Inflation. Eine Rente von 1.500 Euro hat in zwanzig oder dreißig Jahren eine spürbar geringere Kaufkraft als heute. Selbst bei einer moderaten Teuerung von zwei Prozent pro Jahr sinkt die Kaufkraft eines festen Betrags über die Zeit erheblich. Renten werden zwar jährlich angepasst, doch diese Anpassung gleicht den Kaufkraftverlust nicht immer vollständig aus. Rechne deine Lücke deshalb am besten in heutiger Kaufkraft und plane einen Puffer ein.
Der zweite Faktor ist die Steuer. Die Rente ist kein steuerfreies Einkommen. Für alle, die 2026 neu in Rente gehen, sind 84 Prozent der Rente steuerpflichtig, nur 16 Prozent bleiben als dauerhafter Rentenfreibetrag steuerfrei. Dieser Anteil steigt für jeden neuen Rentnerjahrgang weiter, bis die Rente ab 2058 voll besteuert wird. Ob am Ende wirklich Steuer anfällt, hängt vom Grundfreibetrag und weiteren Einkünften ab. Wer nur eine kleine gesetzliche Rente bezieht, bleibt häufig unter der Steuergrenze. Wer zusätzlich eine Betriebsrente oder Kapitalerträge hat, zahlt dagegen oft etwas Einkommensteuer.
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir Lena, 40 Jahre alt, mit einem heutigen Nettoeinkommen von 2.500 Euro im Monat. So sieht ihre Rentenlücke aus:
| Posten | Betrag pro Monat |
|---|---|
| Letztes Nettoeinkommen | 2.500 Euro |
| Wunscheinkommen (80 Prozent) | 2.000 Euro |
| Erwartete Bruttorente | 1.500 Euro |
| abzüglich Kranken- und Pflegeversicherung (ca. 12 Prozent) | minus 180 Euro |
| Erwartete Nettorente | 1.320 Euro |
| Rentenlücke | 680 Euro |
Lena fehlen also rund 680 Euro im Monat, um ihr Wunscheinkommen zu erreichen. Auf das Jahr gerechnet sind das etwa 8.160 Euro, und Inflation sowie eine mögliche Steuer auf die Rente sind dabei noch nicht eingerechnet. Die Zahl wirkt zunächst groß, doch sie ist der eigentliche Sinn der Übung: Erst wenn die Lücke ein konkretes Gesicht hat, lässt sie sich planvoll schließen.
Die Lücke mit privater Vorsorge schließen
Die gute Nachricht: Zeit ist der stärkste Verbündete bei der Altersvorsorge. Wer früh und regelmäßig einen Teil des Einkommens zurücklegt, profitiert vom Zinseszinseffekt, bei dem nicht nur das eingezahlte Geld, sondern auch die erzielten Erträge weiter Erträge erwirtschaften. Über Jahrzehnte wird aus überschaubaren monatlichen Beträgen so ein beachtliches Vermögen. Wie kräftig dieser Hebel wirkt, zeigt der Beitrag zum Zinseszins im Sparplan. Lenas Lücke von 680 Euro im Monat lässt sich mit 25 Jahren Vorlauf und einem disziplinierten Sparplan deutlich leichter überbrücken als mit nur zehn Jahren Anlauf.
Welcher Weg dafür der richtige ist, ob ein breit gestreuter ETF-Sparplan, eine betriebliche Altersvorsorge oder eine geförderte private Rente, hängt von deiner Lebenssituation ab und ist keine Frage, die ein einzelner Artikel pauschal beantworten kann. Entscheidend ist die Reihenfolge: zuerst die Lücke beziffern, dann die passende Strategie wählen. Wer zudem überlegt, vorzeitig in Rente zu gehen, sollte beachten, dass jeder vorgezogene Monat die Rente dauerhaft mindert. Was das konkret bedeutet, liest du im Beitrag zu den Abschlägen bei früherem Renteneintritt.
Die offiziellen Eckwerte zu Rentenniveau, Rentenanpassung und Besteuerung findest du bei der Deutschen Rentenversicherung. Weil diese Werte regelmäßig fortgeschrieben werden, lohnt sich vor jeder größeren Entscheidung ein Blick auf die aktuellen Zahlen und eine frische Berechnung im Rentenrechner.
Rentenlücke jetzt berechnenBerechne deine gesetzliche Rente aus Gehalt und Beitragsjahren mit der offiziellen Rentenformel, inklusive früherem oder späterem Rentenbeginn sowie Kranken- und Pflegeversicherung.Verwandte Artikel
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