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Steuerklasse 1 bis 6 einfach erklärt: Welche passt zu mir?

Von Maxwell AboagyeZuletzt aktualisiert am 2026-06-27

Die Steuerklasse steht auf jeder Lohnabrechnung, doch viele wissen nicht genau, was sie eigentlich steuert. Kurz gesagt: Sie legt fest, wie viel Lohnsteuer dein Arbeitgeber Monat für Monat einbehält. In Deutschland gibt es sechs Steuerklassen, und welche für dich gilt, hängt von deinem Familienstand und davon ab, ob du einen oder mehrere Jobs hast. Dieser Leitfaden erklärt alle sechs, zeigt die wichtigsten Kombinationen für Ehepaare und rechnet ein Beispiel durch, das du im Gehaltsrechner mit deinen eigenen Zahlen nachstellen kannst.

Tool Gehaltsrechner öffnenBerechne dein Nettogehalt mit dem offiziellen Lohnsteuer-Programmablaufplan 2025 & 2026: Steuerklasse, Bundesland, Kirchensteuer, Kinder sowie gesetzliche oder private Versicherung.

Die sechs Steuerklassen im Überblick

Jede der sechs Steuerklassen steht für eine bestimmte Lebenssituation. Sie unterscheiden sich vor allem darin, welche Freibeträge schon beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden. Die folgende Tabelle ordnet jede Klasse der Gruppe zu, für die sie gedacht ist.

KlasseFür wenKurzhinweis
1Ledige, dauerhaft Getrenntlebende, Geschiedene, Verwitwete (ab dem zweiten Jahr)Standardfall ohne Kinderentlastung
2Alleinerziehende, die mit mindestens einem Kind zusammenlebenEnthält zusätzlich den Entlastungsbetrag
3Verheiratete, wenn der Partner Klasse 5 hat (meist der höhere Verdienst)Niedriger Abzug, hohes monatliches Netto
4Verheiratete mit ähnlich hohem EinkommenBeide wie Klasse 1, optional mit Faktor
5Verheiratete, wenn der Partner Klasse 3 hat (meist der geringere Verdienst)Hoher Abzug, kein Grundfreibetrag
6Jeder zweite und weitere Job (zweite Lohnsteuerkarte)Höchster Abzug, keine Freibeträge

Klasse 1 ist der Normalfall für alle ohne Trauschein. Klasse 2 ist im Grunde Klasse 1 plus dem Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, der das Netto etwas anhebt. Die Klassen 3, 4 und 5 betreffen ausschließlich Verheiratete und eingetragene Lebenspartner, und sie gehören immer paarweise zusammen. Klasse 6 schließlich greift, sobald jemand bei einem zweiten Arbeitgeber lohnsteuerpflichtig beschäftigt ist.

Die Steuerklasse verschiebt nur das monatliche Netto

Der wichtigste Satz vorweg, weil er für die meisten Missverständnisse sorgt: Die Steuerklasse entscheidet, wann du deine Steuer zahlst, nicht wie viel du am Ende des Jahres tatsächlich schuldest. Sie ist nichts anderes als eine Voreinstellung für die monatliche Vorauszahlung auf deine Einkommensteuer.

Die endgültige Höhe deiner Steuer ergibt sich allein aus deinem Jahreseinkommen und dem darauf angewandten Steuertarif. Hast du über die Steuerklasse zu wenig vorausgezahlt, fordert das Finanzamt die Differenz mit dem Steuerbescheid nach. Hast du zu viel gezahlt, bekommst du sie erstattet. Die Steuerklasse verschiebt also nur, in welchen Monaten das Geld fließt, und glättet bei den meisten Paaren bestenfalls die Liquidität übers Jahr.

Ehepaare: Kombination 3/5, 4/4 und das Faktorverfahren

Verheiratete und eingetragene Lebenspartner haben drei Möglichkeiten, ihre Steuerklassen zu verteilen. Welche am besten passt, hängt davon ab, wie weit die beiden Gehälter auseinanderliegen.

  • Kombination 3/5: Der Partner mit dem deutlich höheren Einkommen wählt Klasse 3 und nutzt beide Grundfreibeträge, der andere übernimmt Klasse 5 ganz ohne Grundfreibetrag. Das bringt zusammen das höchste monatliche Netto, führt aber fast immer zu einer Nachzahlung, weshalb die Steuererklärung hier Pflicht ist. Sie lohnt sich, wenn ein Einkommen klar überwiegt, etwa im Verhältnis 60 zu 40 oder mehr.
  • Kombination 4/4: Beide werden behandelt wie in Klasse 1, jeder mit dem eigenen Grundfreibetrag. Das passt gut, wenn beide ungefähr gleich viel verdienen. Die monatlichen Abzüge treffen die Jahressteuer hier ziemlich genau, große Nachzahlungen oder Erstattungen bleiben meist aus.
  • Kombination 4/4 mit Faktor: Das Finanzamt trägt einen Faktor kleiner als eins ein, der die tatsächlich erwartete Jahressteuer schon auf den Monat herunterrechnet und sie passend auf beide Gehälter verteilt. So zahlt jeder ungefähr seinen fairen Anteil, und die Differenz im Steuerbescheid fällt klein aus.

Unterm Strich entscheidet keine dieser Kombinationen über die Jahressteuer des Paares, denn die ergibt sich aus der gemeinsamen Veranlagung. Sie bestimmen nur, wie das Netto über das Jahr verteilt ankommt und wie groß die Abrechnung am Ende ausfällt. Das Faktorverfahren ist dabei der Mittelweg: nah am tatsächlichen Ergebnis und trotzdem fair zwischen beiden Partnern aufgeteilt.

Klasse 6: Warum der Zweitjob so teuer ist

Sobald du bei einem zweiten Arbeitgeber sozialversicherungspflichtig oder lohnsteuerpflichtig arbeitest, läuft dieser Job in Steuerklasse 6. Sie ist die teuerste von allen, und das hat einen einfachen Grund: In Klasse 6 gibt es keinerlei Freibeträge. Weder der Grundfreibetrag noch der Arbeitnehmerpauschbetrag werden hier angesetzt, denn beide sind bereits in deiner Hauptbeschäftigung verbraucht.

Die Folge ist, dass schon vom ersten Euro im Zweitjob Lohnsteuer abgezogen wird, und zwar mit einem vergleichsweise hohen Satz. Das wirkt im ersten Moment streng, ist aber kein Verlust: Wie bei allen Klassen handelt es sich nur um eine Vorauszahlung. Über die Steuererklärung werden beide Jobs zusammengerechnet, und zu viel einbehaltene Lohnsteuer bekommst du erstattet. Ein Minijob bis 603 Euro bleibt davon übrigens unberührt, denn er wird in der Regel pauschal versteuert und braucht keine Klasse 6.

Selbst durchspielen: gleiches Brutto, andere Klasse

Am deutlichsten wird der Effekt, wenn du dasselbe Bruttogehalt in verschiedenen Steuerklassen durchrechnest. Nehmen wir 3.500 Euro brutto im Monat, ohne Kirchensteuer und ohne Kinder. Die Werte sind auf volle Euro gerundet und zeigen die Größenordnung.

SteuerklasseLohnsteuer (ca.)Netto (ca.)
1rund 430 €rund 2.310 €
3rund 95 €rund 2.645 €
5rund 765 €rund 1.975 €
6rund 790 €rund 1.950 €

Das Brutto ist in allen Zeilen identisch, ebenso die Sozialabgaben, denn die hängen nicht von der Steuerklasse ab. Was sich ändert, ist allein die einbehaltene Lohnsteuer und damit das ausgezahlte Netto. Zwischen Klasse 3 und Klasse 6 liegen so fast 700 Euro im Monat, obwohl die tatsächliche Jahressteuer in beiden Fällen dieselbe wäre.

Welche Steuerklasse für dich gilt, regelt das Finanzamt automatisch über das elektronische ELStAM-Verfahren, das deine Lohnsteuerabzugsmerkmale digital an den Arbeitgeber meldet. Die amtliche Berechnungslogik dahinter, den Programmablaufplan des Bundesfinanzministeriums, kannst du unter bmf-steuerrechner.de einsehen. Für den Alltag ist der Gehaltsrechner schneller: Trage dein Brutto ein, schalte einmal die Steuerklasse durch und du siehst sofort, wie sich dein Netto verschiebt, gerechnet mit genau denselben amtlichen Werten.

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